Rübezahl (Ich hör’ ein Stöcklein brechen)

Katja Gürtler

Rübezahl lebt in den Bergen. Unter den Bergen, in den Felsen, in den Schluchten. Er ist da und nicht da. Ein Schatten, ein Gefühl, eine Atmosphäre. Er nimmt sich, was er will, greift um sich, greift zu. Die Landschaft verflirrt, wird eins mit ihm. Er ist die Landschaft.

In ihrer Ausstellung Rübezahl (Ich hör’ ein Stöcklein brechen) zeigt Katja Gürtler neue Arbeiten, in denen Rübezahl zum Mittelpunkt wird – die geheimnisvolle Figur aus Kindheitserinnerungen, deren Erscheinung untrennbar mit Bergen, mit Wäldern und Felsen verbunden ist. Waren ihre Figuren bisher von sphärischen Räumen und Farbtönen umgeben, weben sich nun zunehmend Landschaften in die Bildideen ein: Felswände, die sich erheben, zerfranste Palmen, deren Umrisse an Hände erinnern, als würde die Umgebung, die Natur, zu einem eigenen Protagonisten werden, der umschließt, umgreift, vereinnahmt und abstößt – wie Rübezahl, der in den Bergen lebt und zugleich die Berge selbst ist.

Alle Arbeiten basieren auf Zeichnungen – intime Beobachtungen, persönliche Erfahrungen, Empfindungen, die sich nach und nach zu einer Idee verdichten. Die Zeichnungen entstehen in Serien, im Flow, und einzelne Arbeiten werden so zu Fragmenten einer offenen Erzählung: Rübezahl, laufende Figuren, vermeintlich leere Landschaften. War hier jemand? Kommt hier jemand? Oder ist hier nur der Berg – und das leise Geräusch eines brechenden Zweigs?

Text: Katja Gürtler
Fotos: Manuel Carreon Lopez (www.kunstdokumentation.com)